Frühstartrente für Kinder: Was Eltern jetzt wissen müssen

Stand: 13. August 2026
Zehn Euro im Monat vom Staat, die für die spätere Altersvorsorge des eigenen Kindes angelegt werden, genau das steckt hinter der geplanten Frühstartrente.

Auf den ersten Blick klingt der Betrag vielleicht klein. Durch den sehr langen Anlagezeitraum soll daraus jedoch ein Startkapital entstehen, das Kinder bis weit ins Erwachsenenleben begleitet.
Für Eltern entstehen damit natürlich einige Fragen: Welche Kinder bekommen die Frühstartrente? Muss ich selbst ein Depot eröffnen? Kann ich zusätzlich Geld einzahlen? Und was passiert mit dem angesparten Geld, wenn mein Kind 18 wird?
Gleichzeitig macht die Frühstartrente ein Thema sichtbar, das für Kinder sonst oft sehr abstrakt bleibt: langfristiges Investieren. Genau deshalb ist sie nicht nur für die Altersvorsorge interessant, sondern kann auch ein guter Anlass sein, innerhalb der Familie über Geld, Sparen, Investieren und die Bedeutung von Zeit zu sprechen.


Wichtig ist dabei: Die Frühstartrente ist noch nicht endgültig beschlossen. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf am 12. August 2026 beschlossen. Das weitere Gesetzgebungsverfahren soll möglichst noch 2026 abgeschlossen werden. Die Förderung soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 starten, die ersten tatsächlichen Zahlungen sind für 2027 vorgesehen.

Was ist die Frühstartrente?

Die Grundidee ist vergleichsweise einfach: Kinder sollen früh ein staatlich finanziertes Startkapital für ihre spätere private Altersvorsorge bekommen. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf zahlt der Bund monatlich zehn Euro in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot ein.
Die Förderung beginnt grundsätzlich in dem Jahr, in dem ein Kind sechs Jahre alt wird, und läuft bis zur Volljährigkeit. Bei zwölf Jahren Förderung ergeben sich damit insgesamt 1.440 Euro staatliche Einzahlungen.
Dieses Geld soll aber nicht mit 18 ausgezahlt und für Führerschein, Reise oder erste Wohnung verwendet werden können. Die Frühstartrente ist ausdrücklich für die langfristige Altersvorsorge gedacht. Das geförderte Kapital soll grundsätzlich bis mindestens zum 65. Lebensjahr im Vorsorgesystem bleiben.
Für Kinder ist ein Zeitraum von mehreren Jahrzehnten kaum vorstellbar. Genau darin steckt aber auch ein spannender Ansatzpunkt für Finanzbildung: Was passiert eigentlich mit Geld, wenn wir es nicht nur ein paar Wochen oder Monate, sondern sehr viele Jahre liegen und arbeiten lassen?


Wenn ihr euch grundsätzlich gerade erst mit Geldthemen beschäftigt, findest du in unserem Beitrag „Finanzbildung für Kinder: Wie dein Kind den Umgang mit Geld wirklich lernt“ einen guten Einstieg.


Welche Kinder bekommen die Frühstartrente?

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf startet die Frühstartrente mit dem Geburtsjahrgang 2020. Das sind die Kinder, die im Jahr 2026 sechs Jahre alt werden. Anspruchsberechtigt sollen Kinder und Jugendliche sein, die ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben.
In den folgenden Jahren kommt jeweils ein neuer Jahrgang hinzu. Im Jahr 2027 wären also zusätzlich die Kinder an der Reihe, die dann sechs Jahre alt werden.
Das bedeutet gleichzeitig: Die Frühstartrente wird zunächst nicht auf einmal für alle Kinder zwischen sechs und 18 Jahren eingeführt. Ein Kind, das 2026 beispielsweise bereits zehn Jahre alt ist, gehört nach dem jetzigen Gesetzentwurf nicht rückwirkend zu den ersten geförderten Jahrgängen.
Gerade dieser Punkt kann leicht missverstanden werden. Die Formulierung „vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr“ beschreibt den geplanten Förderzeitraum eines anspruchsberechtigten Kindes. Das System selbst soll aber Schritt für Schritt mit den jeweils neuen Sechsjährigen aufgebaut werden.

Müssen Eltern selbst ein Depot eröffnen?

Eltern sollen für ihr Kind einen individuellen Altersvorsorgedepot Vertrag bei einem geeigneten Anbieter eröffnen können. Für die Frühstartrente sind zertifizierte Standarddepot-Verträge vorgesehen. Nach dem Gesetzentwurf sollen dafür unter anderem ein Effektivkostendeckel von einem Prozent gelten und bis zur Volljährigkeit keine Abschluss- und Vertriebskosten anfallen.
Aber auch wenn Eltern kein eigenes Depot eröffnen, soll die staatliche Förderung nicht verloren gehen.
Für diese Kinder ist eine kollektive Anlage vorgesehen. Die nicht individuell abgerufenen Beiträge sollen nach Jahrgängen gebündelt am Kapitalmarkt angelegt werden. Die Verwaltung dieser kollektiven Anlage soll die Deutsche Bundesbank übernehmen.
Wird später doch ein persönlicher Altersvorsorgevertrag eröffnet, sollen die bis dahin für das Kind angesparten Mittel auf diesen Vertrag übertragen werden können.
Damit soll grundsätzlich jedes anspruchsberechtigte Kind von der Förderung profitieren, unabhängig davon, ob sich die Eltern bereits intensiv mit Geldanlage beschäftigen.

Können Eltern oder Großeltern zusätzlich einzahlen?

 

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf sollen auch zusätzliche private Einzahlungen möglich sein. Eltern, Großeltern oder andere Personen könnten also ergänzend zur staatlichen Förderung Geld in das Altersvorsorgedepot einzahlen.
Vorgesehen ist derzeit eine Obergrenze von 6.840 Euro pro Jahr für solche zusätzlichen Beiträge.
Wichtig ist allerdings: Diese privaten Einzahlungen sind keine Voraussetzung dafür, dass das Kind die staatlichen zehn Euro erhält. Die Frühstartrente soll ein staatliches Startkapital sein und nicht davon abhängen, wie viel eine Familie zusätzlich einzahlen kann oder möchte.
Ob zusätzlich Geld für ein Kind investiert wird und welche Form dafür geeignet ist, ist eine individuelle finanzielle Entscheidung. An dieser Stelle geht es deshalb nicht um eine bestimmte Anlageempfehlung, sondern zunächst darum, das geplante Modell zu verstehen.


Was können aus zehn Euro im Monat werden?

Gerade bei der Frühstartrente spielt Zeit eine besondere Rolle. Zehn Euro pro Monat wirken zunächst überschaubar. Werden solche Beträge aber über viele Jahre investiert und erzielte Erträge immer wieder angelegt, kann der sogenannte Zinseszinseffekt zum Tragen kommen.
Das Bundesfinanzministerium zeigt dazu eine Modellrechnung: Aus den staatlichen Einzahlungen von insgesamt 1.440 Euro könnten bis zur Volljährigkeit bei einer angenommenen durchschnittlichen Wertentwicklung von sieben Prozent jährlich rund 2.200 Euro werden. Wenn dieser Betrag anschließend ohne weitere Einzahlungen bis zum Alter von 65 Jahren investiert bleibt, ergibt die Modellrechnung rund 53.000 Euro.
Diese Zahl ist keine Garantie. Die tatsächliche Entwicklung am Kapitalmarkt kann besser oder schlechter ausfallen. Die Beispielrechnung arbeitet mit einer angenommenen Wertentwicklung von sieben Prozent im Jahr, berücksichtigt die Inflation nicht und zeigt nominale Werte vor der späteren Besteuerung der Auszahlung.
Genau deshalb würde ich einem Kind nicht erklären: „Aus zehn Euro werden später 53.000 Euro.“


Die wichtigere Botschaft lautet: Je länger Geld investiert bleibt, desto stärker kann Zeit einen Unterschied machen.


Warum ist die Frühstartrente auch für Finanzbildung interessant?

Für uns bei Piggy&Lou ist genau dieser Punkt besonders spannend. Kinder müssen natürlich keine Altersvorsorge planen. Sie können aber schon früh verstehen, dass Geld unterschiedliche Aufgaben haben kann.
Ein Teil wird heute ausgegeben. Ein Teil wird vielleicht für einen Wunsch gespart. Und anderes Geld wird sehr langfristig zurückgelegt oder investiert.
Beim Taschengeld geht es vielleicht um die Entscheidung, ob fünf Euro heute ausgegeben oder für einen Wunsch aufgehoben werden. Bei der Frühstartrente entsteht eine vollkommen andere Perspektive: Was passiert, wenn Geld jahrzehntelang Zeit bekommt?
Investieren muss dabei nicht sofort über Aktienkurse, Fonds oder komplizierte Begriffe erklärt werden. Für Kinder ist zunächst die Grundidee viel wichtiger: Heute wird etwas eingesetzt, damit daraus später etwas entstehen kann.
Genau damit beschäftigt sich auch unser Beitrag „Warum soll ich warten? – Wie Kinder verstehen, was Investieren wirklich bedeutet“.

Sparen und Investieren sind nicht dasselbe

Gerade im Zusammenhang mit der Frühstartrente lohnt es sich, den Unterschied zwischen Sparen und Investieren deutlich zu machen.
Wenn dein Kind auf ein Buch, ein Spielzeug oder einen Ausflug spart, ist das Ziel meistens relativ nah. Das Geld wird zurückgelegt, weil es in einigen Wochen oder Monaten gebraucht werden soll.
Beim langfristigen Investieren sieht das anders aus. Das Geld wird eingesetzt, damit es über einen langen Zeitraum die Chance bekommt, an Wert zu gewinnen. Gleichzeitig gehört dazu, dass der Wert zwischenzeitlich steigen und fallen kann.
Sparen schafft vor allem Verfügbarkeit für später. Investieren verbindet einen langen Zeithorizont mit Chancen – und auch mit Risiken.
Für Kinder muss diese Unterscheidung noch nicht bis ins Detail gehen. Ein Sparglas eignet sich wunderbar für den nächsten Wunsch. Ein Geldbetrag, der für Jahrzehnte angelegt wird, verfolgt dagegen ein ganz anderes Ziel.
Wenn Sparen bei euch gerade das aktuelle Thema ist, findest du in „Wie lernen Kinder sparen?“ viele praktische Ideen für euren Alltag.

Ein Depot allein macht noch keine Finanzbildung

Die Bundesregierung verbindet mit der Frühstartrente ausdrücklich auch das Ziel, Finanzkompetenz zu stärken. Kinder und Jugendliche sollen früh mit langfristiger Geldanlage und dem Kapitalmarkt in Berührung kommen.
Gleichzeitig gibt es an diesem Punkt Kritik. Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die Grundidee der Frühstartrente, sieht im aktuellen Entwurf aber noch Nachbesserungsbedarf. Unter anderem kritisiert er die vorgesehenen Produktkosten, die kollektive Auffanglösung für Kinder ohne individuelles Depot und den bisherigen Bildungsansatz.
Ein zentraler Gedanke dahinter ist aus unserer Sicht besonders wichtig: Ein Finanzprodukt allein vermittelt noch keine Finanzkompetenz.
Ein Kind versteht nicht automatisch Investieren, nur weil irgendwo Geld in seinem Namen angelegt wird. Entscheidend ist, dass es mit zunehmendem Alter Fragen stellen, Entwicklungen nachvollziehen und verstehen kann, warum dieses Geld überhaupt angelegt wird.
Genau darin liegt auch die Rolle von Eltern und anderen Bezugspersonen. Es geht nicht darum, selbst Finanzexpertin oder Finanzexperte zu sein. Viel wichtiger ist, Geldthemen nicht zu einem Geheimnis zu machen.

Wie kann ich meinem Kind die Frühstartrente erklären?

Bei einem sechsjährigen Kind muss das Wort „Altersvorsorge“ noch keine große Rolle spielen. Die Vorstellung, heute Geld für das eigene Leben in vielen Jahrzehnten zurückzulegen, ist schlicht zu abstrakt.
Einfacher ist ein Vergleich mit Dingen, die dein Kind kennt.
Du könntest beispielsweise sagen:
„Der Staat legt jeden Monat ein kleines bisschen Geld für dich zurück. Dieses Geld ist nicht dafür gedacht, dass du dir bald etwas davon kaufst. Es bekommt ganz viel Zeit und soll dir helfen, wenn du sehr viel älter bist.“
Bei älteren Kindern kann daraus schon ein ausführlicheres Gespräch entstehen. Warum wird das Geld investiert? Warum darf es nicht sofort ausgegeben werden? Was bedeutet Risiko? Und warum weiß heute niemand genau, wie viel daraus später einmal wird?
Wenn dein Kind grundsätzlich erst beginnt, Geld und seine Funktion zu verstehen, passt dazu unser Beitrag „Wie erkläre ich meinem Kind Geld? Ein einfacher Einstieg für den Alltag“.
Du musst nicht jede Antwort kennen. Finanzbildung beginnt oft genau dort, wo Eltern und Kinder gemeinsam eine Frage entdecken.


Was müssen Eltern jetzt tun?

Im Moment vor allem eines: noch nichts überstürzen.
Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zwar am 12. August 2026 beschlossen, das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren ist aber noch nicht abgeschlossen. Nach der aktuellen Planung soll es möglichst bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten, während die Förderung des ersten Jahrgangs rückwirkend ab Januar 2026 berücksichtigt werden soll.
Für Eltern von Kindern des Geburtsjahrgangs 2020 wird anschließend interessant, welche zertifizierten Depotangebote zur Verfügung stehen und wie die konkrete Eröffnung organisiert wird.
Nach dem aktuellen Entwurf ist für die staatliche Förderung kein gesonderter Antrag vorgesehen. Wird kein individuelles Depot eröffnet, soll die kollektive Anlage greifen.
Da sich Details während des Gesetzgebungsverfahrens noch verändern können, werden wir diesen Beitrag aktualisieren, sobald die endgültigen Regelungen feststehen.
Viel wichtiger als zehn Euro: früh über Geld sprechen
Unabhängig davon, wie die Frühstartrente nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens im Detail aussehen wird, macht sie einen wichtigen Punkt deutlich: Finanzthemen beginnen nicht erst im Erwachsenenalter.
Kinder müssen keine Finanzprodukte auswählen und keine Börsenkurse verstehen. Aber sie können lernen, dass Geld begrenzt ist, unterschiedliche Aufgaben hat und Entscheidungen über heute und später miteinander verbindet.
Sie können verstehen, was Sparen bedeutet, warum Geduld manchmal sinnvoll ist und dass Investieren Chancen bietet, aber nicht ohne Risiko funktioniert.
Finanzbildung beginnt deshalb nicht mit dem ersten Depot. Sie beginnt mit Gesprächen.


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Quellen und aktueller Stand

Dieser Beitrag basiert auf dem am 12. August 2026 vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf zur Frühstartrente sowie den aktuellen Informationen des Bundesministeriums der Finanzen und der Bundesregierung. Für die verbraucherpolitische Einordnung wurde zusätzlich die Stellungnahme des Verbraucherzentrale Bundesverbands berücksichtigt.
Da das Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, können sich einzelne Regelungen noch ändern. Stand dieses Beitrags: 13. August 2026.

 

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