Online Banking leicht erklärt - wie man Kindern digitales Bezahlen vermittelt
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Ihr steht an der Kasse.
Der Einkauf kostet 32 Euro.
Du hältst kurz dein Handy an das Kartengerät.
Piep.
Fertig.
Kein Geldschein.
Keine Münzen.
Kein Wechselgeld.
Und aus Kinderaugen betrachtet ist eigentlich etwas ziemlich Merkwürdiges passiert:
Ihr habt einen ganzen Einkaufswagen voller Sachen bekommen.
Aber niemand hat Geld abgegeben.
Willkommen in einer Welt, in der Geld für Kinder immer unsichtbarer wird.
Früher konnte man Geld verschwinden sehen
Fünf Euro liegen auf dem Tisch.
Davon werden zwei Euro ausgegeben.
Danach liegen noch drei Euro da.
Selbst ohne große Rechenkünste ist ziemlich klar:
Da ist jetzt weniger.
Bei einer Kartenzahlung passiert sichtbar fast nichts.
Karte dran.
Piep.
Fertig.
Beim Handy ist das Ganze noch abstrakter.
Und beim Online-Shopping?
Da reicht manchmal ein einziger Klick.
Für Erwachsene steckt dahinter natürlich trotzdem ein Konto, ein Guthaben oder eine spätere Abbuchung.
Für Kinder ist zunächst nur sichtbar:
Ich drücke irgendwo drauf und bekomme etwas.
Das verändert auch, wie wir Finanzbildung für Kinder im Alltag vermitteln können.
Die Karte ist keine Zauberkarte
Kinder stellen manchmal erstaunlich logische Fragen:
„Warum hebst du nicht einfach neues Geld ab?“
„Kannst du nicht mit Karte bezahlen?“
Oder:
„Dann kauf es doch online.“
Für Erwachsene klingt das vielleicht lustig.
Aus Sicht eines Kindes ist die Logik aber nachvollziehbar.
Bargeld ist irgendwann sichtbar weg.
Eine Karte bleibt immer dieselbe Karte.
Auch nach dem zehnten Einkauf.
Deshalb kann ein einfacher Satz helfen:
„Mit der Karte bezahle ich mit dem gleichen Geld wie mit Münzen. Ich sehe nur nicht direkt, wie es weniger wird.“
Das reicht oft schon.
Ihr braucht keine Erklärung über Banken, Zahlungssysteme und Buchungstage.
Es geht zunächst nur um die wichtigste Erkenntnis:
Digitales Geld ist trotzdem echtes Geld.
Probiert das Piep-Experiment
Beim nächsten kleinen Einkauf könnt ihr ein Experiment machen.
Angenommen, dein Kind darf etwas für drei Euro aussuchen.
Bevor ihr losgeht, legt drei echte Euro auf den Tisch.
Dann nehmt ihr die Münzen gedanklich mit zum Einkauf.
Bezahlt wird trotzdem mit Karte.
Zu Hause kommen die drei Euro aber aus dem sichtbaren „Budget“ heraus.
So verbindet dein Kind:
Piep an der Kasse = Geld ist weg.
Das Unsichtbare bekommt wieder eine sichtbare Bedeutung.
Ihr könnt das auch mit Spielgeld oder aufgemalten Münzen machen.
Es muss nicht perfekt sein.
Es muss nur sichtbar werden.
Online-Shopping ist noch einmal eine andere Welt
Im Laden gibt es immerhin einen Moment.
Man steht an der Kasse.
Etwas wird gescannt.
Es wird bezahlt.
Online verschwimmt dieser Ablauf.
Produkt ansehen.
In den Warenkorb.
Klicken.
Fertig.
Und dann kommt zwei Tage später plötzlich ein Paket.
Für Kinder kann das wirken, als würden die Dinge einfach aus dem Internet kommen.
Deshalb könnt ihr den Kaufprozess einmal bewusst gemeinsam durchgehen.
Nicht nur:
„Wir bestellen das.“
Sondern:
„Das kostet 18 Euro.“
„Jetzt bezahlen wir.“
„Danach sind diese 18 Euro nicht mehr für etwas anderes verfügbar.“
Damit verbindet ihr den schönen Moment – das Paket kommt – wieder mit der Entscheidung, die vorher getroffen wurde.
Macht aus dem Warenkorb eine Denkpause
Online-Shops sind ziemlich gut darin, uns zum schnellen Kaufen zu bringen.
Kinder sind damit nicht allein.
Auch Erwachsene kennen:
„Oh, das sieht gut aus.“
„Nur noch heute reduziert.“
„Das könnte ich gebrauchen.“
Eine einfache Familienregel kann deshalb sein:
Der Warenkorb ist noch keine Entscheidung.
Etwas darf hineingelegt werden.
Aber gekauft wird später.
Vielleicht nach zehn Minuten.
Bei größeren Wünschen am nächsten Tag.
Plötzlich entsteht zwischen:
„Ich will das.“
und
„Ich kaufe das.“
ein kleiner Zwischenraum.
Und genau dort passiert etwas Wichtiges:
Denken.
Die Ein-Klick-Frage
Bevor online etwas gekauft wird, könnt ihr eine einzige Frage stellen:
„Würdest du dafür auch deine Münzen aus deinem Geldbeutel hergeben?“
Die Frage verändert erstaunlich viel.
Denn 8,99 Euro auf einem Bildschirm fühlen sich anders an als neun Euro in der Hand.
Wenn dein Kind sich vorstellt, tatsächlich Münzen dafür abzugeben, bekommt der Preis plötzlich wieder Gewicht.
Das bedeutet nicht, dass der Kauf falsch ist.
Vielleicht lautet die Antwort:
„Ja! Das ist es mir wert.“
Perfekt.
Dann wurde bewusst entschieden.
Taschengeld kann digitales Geld verständlicher machen
Gerade deshalb ist echtes Taschengeld für Kinder so hilfreich.
Kinder können damit zunächst im Kleinen erleben:
Geld kommt dazu.
Geld wird ausgegeben.
Geld bleibt übrig.
Geld kann gespart werden.
Wenn diese Zusammenhänge verstanden werden, lässt sich später viel leichter erklären, dass dieselben Regeln auch digital gelten.
Wer wissen möchte, ab wann Taschengeld sinnvoll ist, findet dort einen guten Einstieg.
Denn bevor Geld auf einem Bildschirm verstanden werden kann, hilft es enorm, wenn Geld zunächst einmal greifbar war.
Zeigt das Vorher und Nachher
Eine der einfachsten Übungen braucht nur zwei Zahlen.
Vor dem Kauf:
10 €
Nach dem Kauf:
6 €
Mehr nicht.
Kinder müssen keine Kontoauszüge analysieren.
Sie müssen nur sehen:
Eine Entscheidung verändert den Betrag.
Ihr könnt dafür auch einen Budgetplan für Kinder verwenden und kleine Ausgaben gemeinsam eintragen.
So bekommt auch digitales Bezahlen wieder eine Spur.
Und plötzlich ist das Geld nicht einfach verschwunden.
Man kann nachvollziehen, wo es hingegangen ist.
„Aber es kostet doch nur 2,99 Euro“
Hier steckt eine weitere Besonderheit.
Digitale Käufe sind oft klein.
2,99 Euro hier.
1,49 Euro dort.
Noch etwas im Spiel.
Noch eine kleine Erweiterung.
Ein einzelner Betrag wirkt harmlos.
Mehrere kleine Beträge zusammen können aber schnell ganz anders aussehen.
Macht daraus ein Spiel:
Schreibt fünf kleine Beispielkäufe auf.
Zum Beispiel:
2 €
3 €
1 €
4 €
2 €
Und dann die Frage:
„Wie viel haben wir insgesamt ausgegeben?“
Jetzt wird sichtbar:
Viele kleine Käufe sind zusammen trotzdem ein großer Kauf.
Ein ziemlich wichtiger Aha-Moment.
Nicht nur für Kinder übrigens.
Geld im Spiel ist trotzdem Geld
Besonders schwierig wird es, wenn Geld noch eine weitere Verkleidung bekommt.
Münzen.
Diamanten.
Punkte.
Credits.
Sterne.
Plötzlich kostet etwas nicht mehr drei Euro.
Sondern 300 Kristalle.
Das kann das Gefühl für den echten Preis zusätzlich erschweren.
Eine einfache Regel:
Immer zurückübersetzen.
„Wie viel echtes Geld wären diese 300 Kristalle?“
Damit lernt dein Kind, hinter die Spielwährung zu schauen.
Nicht jeder digitale Punkt ist echtes Geld.
Aber wenn echtes Geld eingesetzt werden muss, sollte die Verbindung sichtbar bleiben.
Kinder müssen digitales Geld nicht meiden – sie müssen es verstehen
Die Lösung kann nicht sein, Kindern nur Bargeld zu zeigen.
Sie wachsen in einer Welt auf, in der Karte, Smartphone und Online-Zahlungen selbstverständlich dazugehören.
Deshalb ist etwas anderes wichtiger:
Das Unsichtbare sichtbar machen.
Wenn bezahlt wird, könnt ihr manchmal laut sagen:
„Jetzt sind zehn Euro weniger auf dem Konto.“
Bei einem Online-Kauf:
„Dafür entscheiden wir uns jetzt – dafür können wir das Geld nicht noch einmal verwenden.“
Bei einem spontanen Wunsch:
„Würdest du dafür auch dein eigenes Geld ausgeben?“
Keine Vorträge.
Nur kleine Übersetzungen.
Das eigentliche Ziel ist nicht Rechnen
Am Ende muss dein Kind nicht wissen, wie eine Kartenzahlung technisch verarbeitet wird.
Es muss auch keine Banking-App verstehen.
Viel wichtiger ist ein einfaches Prinzip:
Geld kann seine Form verändern – aber nicht seine Regeln.
Eine Münze kann nur einmal ausgegeben werden.
Ein Euro auf einem Konto auch.
Ein Kauf mit dem Smartphone fühlt sich vielleicht leichter an.
Aber das Geld ist danach trotzdem weg.
Wenn Kinder das verstehen, haben sie schon etwas sehr Wichtiges gelernt.
Vielleicht ist die wichtigste Geldfrage heute eine andere
Früher hieß es:
„Wie viel Geld hast du in deinem Portemonnaie?“
In Zukunft wird die wichtigere Frage vielleicht sein:
„Weißt du eigentlich, wie viel du gerade ausgegeben hast?“
Genau deshalb gehört der Umgang mit digitalem Geld heute zur Finanzbildung dazu.
Nicht erst, wenn Kinder ein eigenes Konto haben.
Sondern schon viel früher.
An der Supermarktkasse.
Beim Online-Shopping.
Beim Spiel auf dem Tablet.
Oder genau in dem Moment, in dem es wieder macht:
Piep.
Und dein Kind fragt:
„Haben wir jetzt eigentlich bezahlt?“